90 bis 95 Prozent des Kakaos werden von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen angebaut. Ihre durchschnittliche Anbaufläche liegt bei einem bis drei Hektar. Insbesondere in Westafrika, dem Hauptanbaugebiet für Kakao, sind die Arbeits- und Lebensbedingungen der Kakaobauern und -bäuerinnen und ihrer Familien schwierig. Die Einkommen der meisten Kakaobauernfamilien liegen unterhalb der durch international definierten Armutsgrenze.

Zu den Herausforderungen, die es zu überwinden gilt, gehören:

Lebensbedingungen der Kakao anbauenden Familien

Die Rolle der Frauen

Frauen leisten häufig einen großen Teil der Arbeit auf den Kakaofeldern. Obwohl sie die Arbeitsprozesse und die dafür erforderlichen Investitionen kennen, sind sie den Männern untergeordnet und nicht an den Investitionsentscheidungen beteiligt. Auch die Teilnahme an Trainings- und Zertifizierungsprogrammen ist für viele Frauen beschränkt. Zudem sind Frauen nur unzureichend in Kooperativen vertreten.  Nur ein Viertel (25%) der Farmen in der Côte d'Ivoire gehören Frauen. Dabei stellen Frauen zwei Drittel (68%) der Gesamtarbeitskraft im Kakaosektor. Frauen verdienen zudem nur ein Fünftel (21%) des gesamten Einkommens.

Junge Nachwuchskräfte

Durch das geringe Einkommen und die körperlich anspruchsvolle Arbeit im Kakaoanbau wendet sich die jüngere Generation von diesem ab. Das schlechte Ansehen des Kakaoanbaus bedroht die nachhaltige Versorgung mit Kakao.

Missbräuchliche Formen von Kinderarbeit

Kinderarbeit ist in den beiden größten Kakaoanbauländern, Côte d’Ivoire und Ghana, offiziell verboten. Trotzdem gehen laut einer Studie des Nationalen Statistikinstituts (INS) aus dem Jahr 2013 in der Côte d’Ivoire 1,9 Mio. Kinder im Alter von 5-17 Jahren branchenübergreifend wirtschaftlichen Aktivitäten nach. Bei 540 000 der solcher Art beschäftigten Kinder erfüllt die Tätigkeit die Definition von gefährlicher Kinderarbeit. In Ghana waren im Zeitraum 2013/14 ca. 1,2 Mio. Kinder im Alter von 5-17 Jahren in gefährlicher Kinderarbeit tätig (GSS 2014).
Kinderarbeit ist oft ein Armutsproblem, da die Bauern durch ihre geringen Einkommen kaum Arbeiter einstellen können.

Umwelt

Entwaldung

In Ghana und Côte d’Ivoire wurden große Waldflächen in den vergangenen Jahren zerstört. Unter anderem werden diese Flächen heute als Kakaoanbauflächen genutzt. Allerdings sind Wald- und Baumbestand auch für den Kakaoanbau von höchster Bedeutung.

Klimawandel

Produktivität und Qualität des Kakaos

Je nach Region und Anbauform können auf einem Hektar Kakaoanbaufläche pro Jahr zwischen 1.000 und 2.000 Kilogramm Kakaobohnen (Trockengewicht) geerntet werden. Bestimmte Sorten oder Ursprünge lassen sogar darüber hinausgehende Erntemengen erwarten. Dies bleiben aber Ausnahmefälle. Auch wenn die zur Verfügung stehenden Daten unzuverlässig sind, liegt der durchschnittliche Ertrag pro Jahr seit Anfang der 1990er Jahre bei knapp über 500 Kilogramm Kakao pro Hektar und stagniert seither.

Die Produktivität und die Qualität des Kakaos hängen von verschiedenen Faktoren ab. Ein fruchtbarer Boden und dem Kakao vorteilhafte Wetterbedingungen sind grundlegende Voraussetzungen. Weitere Faktoren sind die Genetik und das Alter der Bäume. Grundsätzlich kann ein Kakaobaum über 100 Jahre alt werden. Die höchsten Ertragsmengen liefern Kakaobäume ab Alter 2 bis 40 Jahre. Eine regelmäßige Pflege und der Schutz der Bäume vor Krankheiten und Schädlingsbefall spielen eine entscheidende Rolle für die Menge und die Qualität der Bohnen. Anderenfalls können Krankheiten und Schädlingsbefall innerhalb kürzester Zeit zu einem nennenswerten bis zu einem totalen Verlust der Ernte oder sogar der Plantage führen.

90 Prozent des Kakaos wird von Kleinbauern produziert. Ihre wirtschaftliche Lage erlaubt ihnen in der Regel nicht, Investitionen für Neupflanzen, Dünger oder Pflanzenschutzmittel zu tätigen oder notwendige Landarbeiter zu bezahlen. Die Verbesserungsansätze reduzieren sich oft auf staatlich subventionierte Unterstützung oder Dienstleistungen, die die Kakaokooperativen anbieten.

Auch der Markt bietet nicht genügend Anreize. Kakao wird als Rohstoff an den internationalen Börsen (London und New York) gehandelt. Die Preise für Kakao sind volatil. 2017 zeigen sie erstmals seit Jahren eine stark fallende Tendenz. Negative Auswirkungen auf die Kakaoproduktion sind die absehbare Folge.

Kakao bleibt dennoch eine sichere Einnahmequelle: Die Bohnen sind durch die kontinuierlich gute Nachfrage der globalen Schokoladenindustrie immer nachgefragt und können von den Kleinbauern somit schnell in Bargeld umgewandelt werden. In vielen Anbauregionen kann Kakao mehr oder weniger das ganze Jahr hindurch geerntet werden. Im Gegensatz zu Anbaukulturen, die nur einmal im Jahr geerntet werden können wie Palmöl oder Kautschuk, stellt die ganzjährige Verfügung von Einkommen durch den Verkauf von Kakao einen wichtigen Vorteil für die Bauernfamilien dar.

 

 

Zudem beeinträchtigt der Klimawandel zunehmend die Ernte. Pflanzenkrankheiten nehmen zu, Trockenphasen dauern länger an, und die Wetterereignisse werden extremer.

Durch bessere Anbaumethoden und Nachernteverfahren würde sich die Qualität des Kakaos verbessern, und auch der Ernteertrag ließe sich so steigern. Somit könnte mehr und höherwertiger Kakao vermarktet werden. Dies wiederum erhöht das Einkommen der Bauern und schafft die Grundlage für bessere Lebensbedingungen. Durch Produktivitätssteigerungen wäre es auch möglich, den wachsenden Bedarf an Kakao abzudecken, ohne weitere Flächen in Anspruch zu nehmen.

Der Kakaoanbau würde für nachfolgende Generationen wieder attraktiver, und langfristig wäre ein stabiles Kakaoangebot gesichert.

Dienstleistungen und Bauernorganisationen

Entscheidende Fragen sind, ob die Bauern Zugang zu Schulungen und Praxistraining und zu gutem Pflanzmaterial haben und ob ihnen gute Möglichkeiten zur Pflege ihrer Felder gegeben sind. Auch die Vergabe von Krediten und die Möglichkeit, ihre Ernte zu stabilen Preisen abzusetzen, hängt stark von den Voraussetzungen ab. Dazu gehören, inwieweit die Bauern in Kooperativen oder Genossenschaften organisiert sind, wie gut der Kakaosektor in ihrem Land strukturiert ist und wie die politischen Rahmenbedingungen aussehen.
Bisher existieren nur wenige funktionierende Kooperativen. Die Marktanbindung der meisten Kleinbauern ist schlecht. Zudem erschweren schlecht organisierte und unübersichtliche Lieferketten die Vermarktung und mindern den Anteil der Bauern am Erlös.