Alida N'Takpe-Coulibaly, Gründerin und Präsidentin der Kooperative SCOOP-RASSO, (links) und die Direktorin der Kooperative, Mariette Kouaka, stehen für eine ambitionierte Kakaoproduzentengemeinschaft. Beide Frauen wissen, was sie wollen, und sind Botschafterinnen auch des hohen Frauenanteils bei RASSO.

Juni 2019: Frauen sind das Herz der Familie

Alida, RASSO ist eine Kooperative mit einem besonders hohen Anteil weiblicher Mitglieder. Sehen Sie Frauen in einer besonderen Rolle?

Alida: Die Stärkung der Frauen ist gut für die Familie. Um den Lebensstandard der Familie zu verbessern, müssen wir über die Frauen gehen. Frauen sind das Herz der Familie.

Ich ermutige die Frauen, sich für die Landwirtschaft zu interessieren, eine aktive Rolle im Tätigkeitsfeld ihres Mannes einzunehmen und sich ihrerseits als Produzentinnen zu behaupten. Dafür gehe ich zusammen mit anderen Frauen zu Kooperativen und in die Dörfer. Wir erklären Ehemännern, Vätern und dem Dorfvorsteher, dass wir nicht kommen, um ihren Platz einzunehmen. 

Wir machen ihnen klar, dass es gut für sie ist, wenn sie uns den Platz geben, den wir brauchen.

Warum ist es für Frauen nach wie vor schwierig, eigenständige Kakaobäuerin zu sein?

Alida: Unsere Regierung hat ein Gesetz verabschiedet, das es Frauen erlaubt, Land zu erben. Aber hier bei uns, in den Dörfern, wird dieses Gesetz nicht anerkannt. Also sprechen wir mit den Männern. Wir bitten sie, ihrer Frau Land zu überlassen und ihren Töchtern Land zu vererben.

Januar 2019: RASSOs Pläne für die Zukunft

Im Januar 2019 kam Alida N‘Takpe-Coulibaly nach Deutschland. Sie war eingeladen, auf der Veranstaltung des Forum Nachhaltiger Kakao auf der ISM in Köln (mehr hier) über die Lebensbedingungen der Bäuerinnen und Bauern in Côte dIvoire zu sprechen.
Alida nutzte die Gelegenheit auch, um auf der Messe Gespräche mit Unternehmen zu führen. Ihr Anliegen: RASSO soll zertifiziert werden.

Alida: Wir sind eine junge Genossenschaft. Drei Jahre alt. Wir müssen eine Zertifizierung machen.
Die meisten Kooperativen in Côte d‘Ivoire sind zertifiziert. Das Zertifikat gibt ihnen das Recht auf eine Prämie.
Um Kakao zu bekommen, muss man einen guten Preis anbieten. Wenn die Konkurrenten Kakao mit einer Prämie kaufen und du keine Prämie hast, ist es wirklich sehr schwierig zu konkurrieren. Wir brauchen also eine Prämie, um dem Produzenten etwas mehr bieten zu können. Denn was ist für die Kakaobauern der Vorteil, Mitglied einer Kooperative zu sein, wenn sie ihnen keinen Bonus geben kann?
Deshalb müssen wir dieses Zertifikat machen. Denn wenn wir kein Zertifikat haben, sagen uns die Produzenten: Ja, es ist wahr, du hast große Projekte, aber wir verdienen nicht mehr mit dir. Und uns interessiert unser Einkommen. Du musst im Stande sein, uns Prämien zu zahlen, damit wir bei dir bleiben können.

Was sind die nächsten Schritte?

A: Wir brauchen ein Zertifikat, und wir brauchen einen Partner, der es uns ermöglicht, den von uns produzierten Kakao auch zu verkaufen. Dieser Partner muss bereit sein, den Kauf von Kakao vorzufinanzieren.
Wir liefern ihm den Kakao und mit ihm integrieren wir ein Zertifizierungsprogramm.
Vielleicht machen wir das auch anders, nicht über einen Exporteur. Wenn wir den Kredit direkt von einer Bank bekommen, können wir Kakao ankaufen und die Zertifizierung eigenständig finanzieren.

Und gibt es schon Pläne für die Zukunft?

A: Langfristig ist unser Ziel, unseren Kakao in Europa und in anderen Ländern zu vermarkten.

Zu Besuch bei SCOOP-RASSO im November 2018

Wir haben Alida N‘Takpe-Coulibaly bei unserem Projektbesuch im November 2018 kennengelernt und sie zu ihren Motiven befragt.

Alida, was hat Sie veranlasst, eine Kooperative zu gründen?

Alida: Wir haben das Leid unserer Eltern gesehen, die mit ihrer Arbeit kein Geld verdienen konnten. Wir haben die Kooperative gegründet, um eine Reihe von Problemen zu lösen.
Ich habe einen Master-Abschluss in Wirtschaft und Management. Ich will neue Lösungen für die Landwirtschaft entwickeln und den Lebensstandard unserer Eltern verbessern.

 

Wo sehen Sie wesentliche Probleme?

A: Bei der Diversifizierung unseres Anbaus. Hier gibt es zwei Probleme. Zum einen fehlen uns Möglichkeiten, die Produkte zu verkaufen. Die Bauern leben häufig weit entfernt. Und es gibt keine Straße, um die Produkte zu transportieren.

Wenn es der Käufer ist, der zu den Bauern kommen muss, kauft er den Kakao zu einem sehr niedrigen Preis.

Das zweite Problem ist, die lokale Verarbeitung zu organisieren. In der Erntezeit gibt es Produkte im Überfluss. Wir können Tomaten und Okraschoten aber nicht konservieren. Wäre das anders, könnten die Kakaobauern diese Produkte jederzeit verkaufen. Das würde ihnen zusätzliches Einkommen verschaffen.